Von Michaela Kumkar

Keine Spur von Sprachbarriere: Wer sagt, dass man perfekt Polnisch oder Deutsch können muss, um gemeinsam lernen oder schnell laufen zu können? Kinder aus Lychen und Szczecin zeigen Erwachsenen wie das geht.

 LYCHEN. „Die sind echt lässig“, sagt Arved. Was nichts anderes als ein Kompliment bedeutet, das der Sechstklässler den Kindern macht, die in dieser Woche an seiner Schule zu Gast waren: 20 Jungen und Mädchen aus dem polnischen Szczecin. Sie lernen an der Schule Podstawowa Nr. 16. Zwischen ihr und der Lychener Pannwitz-Grundschule bestehen seit 14 Jahren enge Kontakte. Zwei Mal im Jahr besuchen sich Schüler und Lehrer gegenseitig. Arved kennt deshalb auch schon die polnische Schule. „Sie ist viel größer als unsere, hat aber nicht so einen tollen Sportplatz wie wir. Dafür haben die polnischen Schüler mehr Möglichkeiten, verschiedene Sportarten auszuprobieren, zum Beispiel Tennis“, erzählt der Junge. Ob es nicht schwer sei, mit den anderen ins Gespräch zu kommen, wenn man kein Polnisch kann. „Überhaupt nicht. Schließlich sprechen wir alle Englisch und wenn es damit auch nicht klappt, geht es auch mit Händen und Füßen.“ Das kann Robert nur bestätigen. Er schwärmt regelrecht vom gemeinsamen Besuch mit den polnischen Kindern im Naturparkhaus in Menz, wo sie zusammen Naturbeobachtungen am Wasser angestellt haben. „Ich finde es toll, wenn man miteinander etwas unternehmen kann“, sagt er. Begeistert von diesem Ausflug sind auch Kacper, 12, sowie Wiktoria und Iga, beide zehn Jahre alt, die in Szczecin lernen. Den Mädchen gefiel in Menz besonders das Mikroskopieren. Kacper hat viel Neues über Bäume und Holz erfahren. Wenn sie davon erzählen, dann fallen auch einige Sätze in deutscher Sprache. Denn diese Fremdsprache steht bei ihnen auf dem Stundenplan.

Einmal in der Woche wird sie unterrichtet, unter anderem von Lehrerin Elzbieta Staczewska. Sie hat diesmal ihre Schützlinge nach Lychen begleitet, ist zum ersten Mal in der Flößerstadt zu Gast. Sie ermuntert ihre Schüler, das, was sie schon können, während ihres Aufenthaltes an der deutschen Schule anzuwenden. „Das geht bei Kindern oft schneller als bei Erwachsenen“, weiß sie aus Erfahrung. Von den Kollegen in Lychen ist Elzbieta Staczewska sehr angetan, ebenso wie von der Schule. „Sie ist schön, die Lehrer sind sehr freundlich“, sagt sie. „Das Miteinander zwischen Lehrern und Schülern ist in den Jahren unseres Austausches gewachsen, fast schon herzlich zu nennen“, sagt Kornelia Lemke, Schulleiterin in Lychen. Die Projekte sind immer so angelegt, dass die Kinder in Partnerarbeit miteinander und voneinander lernen. „Hier bei uns in Lychen geht es dabei häufig um die Bereiche Umwelt und Natur. Beides sind ja auch Schwerpunkte in unserem Schulkonzept“, so Kornelia Lemke. Kacper, Iga und Wiktoria freuen sich übrigens schon auf den nächsten Besuch der Lychener bei ihnen in Szczecin. Sie haben nämlich schon deutsche Freunde gefunden. Fast alles Mädchen, verraten sie. Laurin, Sechstklässler aus Lychen, weiß auch, woran das liegt: Bei den Mädels klappt das mit dem Kennenlernen irgendwie immer schneller.