Von Bernd Schilling

Gleich 20 Exemplare vom Baum des Jahres brachten Pannwitzschüler im Schulwaldrevier in die Erde. Eine Aktion, die sich zunächst ganz einfach anhörte. Doch da wussten die jungen Leute noch nichts von den Tücken des Waldbodens.

Lychen. Auf Fahrrädern rollten 15 Pannwitzschüler der 6. Klasse an ihrem jüngsten Waldtag zügig zum Pflanzort für den Baum des Jahres 2015. An der Waldkante zu einer Hochspannungstrasse im Schulwald in Hohenlychen wollten sie 20 Feldahorn-Setzlinge in den Boden bringen. Mit den Förstern Anja Daher, Anke Wlost und Hilmar Alexandrin sowie Biologielehrerin Kathrin Schröder hatten sie gestandene, fachkundige Berater an ihrer Seite. Nachdem Anja Daher die Sechsklässler über Aussehen, Vorkommen und Besonderheiten des Feldahorns informierte, sorgte eine Zusatzinformation für gespanntes Interesse. Ausgerechnet aus dem 10000 Kilometer entfernten südafrikanischen Namibia waren Grüße angekommen, in denen den Schülern für ihre Pflanzaktion viel Erfolg gewünscht wurde. Absender der Grüße war Claudia Schulze, die von der Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung zur deutschen Baumkönigin 2015 erwählt worden war. Die 21-jährige Forstingenieurin hatte gehofft, sie könnte bei dieser Aktion dabei sein. Das wäre sie auch sehr gerne, erklärte sie per E-Mail, wenn sie nicht gerade berufliche Erfahrungen in einem namibischen Nationalpark sammeln würde. Aber, aufgehoben sei ja nicht aufgehoben. Das richtige Pflanzen des Feldahorns demonstrierte Stadtförster Hilmar Alexandrien. Das sah und hörte sich einfach an, doch als die Mädchen und Jungen in Dreiergruppen an den markierten Stellen mit Spaten die Pflanzlöcher auszuheben begannen, zeigte sich die Tücke des Waldbodens. Schon durch die vergraste Oberfläche zu kommen, war kraftaufwendig. Wurzeln oder Stubben bewirkten zusätzlich, dass die jungen Leute ins Schwitzen kamen. Die dreijährigen Pflanzen aus der Forstbaumschule Templin wurden sorgsam mit ihrem Wurzelwerk in einem Pflanzloch eingebettet, der Platz um das Stämmchen festgetreten und mit Zensseewasser angegossen. Im Jahre 2005 hatte der erste Jahrgang Pannwitzschüler mit der Rosskastanie das Pflanzen des Baumes des Jahres begonnen. Später folgten Schwarzpappel, Waldkiefer, Walnuss, Bergahorn, Vogelkirsche, Elsbeere, Europäische Lärche, Wildapfel und Traubeneiche. Wie diese Baumgruppen das 138 Hektar große Schulwaldrevier beleben, das konnten die Schüler in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Feldahornpflanzung überprüfen. Die 30 im Jahre 2013 gesetzten Wildapfel-Bäumchen sind dank ihres Drahtschutzes gegen Wildverbiss alle gut angewachsen. Übrigens: Dass es jetzt 20 Bäume des Jahres wurden, das hat seine Bewandtnis, Försterin Anja Daher klärte die Schüler darüber auf, dass das Land Brandenburg 1995 das erste Bundesland war, das in seinem Landesbetrieb Forst die forstliche Waldpädagogik zur Dienstaufgabe für alle Förster erklärte und die waldbezogene Bildungs- und Erziehungsarbeit insbesondere unter jungen Menschen in den Mittelpunkt rückte. Das jetzt in der Verantwortung der Landeswaldoberförsterei Boitzenburg liegende Projekt mit dem 14-täglichen Naturkundeunterricht im Lychener Schulwald gilt dabei wohl als ein Erfolgsmodell, wie junge Menschen im ganzjährigen Freiluft-Unterricht im Ökosystem Wald zur Nachhaltigkeit im Sinne von „in Generationen denken“ erzogen werden können.