Lychen. Eiszeit – was das ist, lernt schon jedes Kind. Aber außer auf Karten in Lehrbüchern lassen sich die Auswirkungen der Eiszeiten in der Geschichte der Erde auch zum Anfassen nah ganz praktisch in der Uckermark entdecken und erlebbar machen. Den Beweis treten Lychens Stadtförster Hilmar Alexandrin und Landesförsterin Anja Daher in regelmäßigen Abständen bei ihren Schulwaldkindern aus der Lychener Grundschule an.Mitten im Lychener Stadtforst spüren die Mädchen und Jugend zu Fuß die Erhebungen auf, die die Eismassen in der pommerschen Phase der Weichseleiszeit 18  200 bis 15  000 vor Christus zwischen dem heutigen Lychen und Fürstenberg formten. Nach dem Abtauen der Gletscher blieb die Landschaft als Endmoräne liegen. Dort, wo das Wasser nicht abfließen konnte, bildeten sich in Senken und Rillen Moore. Oft auch in mitten im Wald. Zwischen Zenssee und uckermärkischem Radrundweg befindet sich eines dieser natürlichen Kleinode, das Hilmar Alexandrin mit den Kindern an einem Regentag ansteuerte. Der Moorkörper schien an diesem Tag gut mit Wasser gefüllt zu sein. Das war in den vergangenen Monaten nicht immer so, als Niederschläge ausgeblieben waren. Dass Moore wertvolle Wasserspeicher sind, durften die Mädchen und Jungen an diesem Wintertag testen. Und sie spürten auch den Kühleffekt eines Moores, denn dort war es kälter als im Wald, selbst an einem Wintertag wie diesem. Um trockenen Fußes über das kleine, aber feine „Moor ohne Namen“ zu kommen, konnten die Kinder einen extra für Naturfreunde angelegten hölzernen Steg benutzen. Dabei konnten sie nach typischen Pflanzen und Tieren Ausschau halten. Ist genug Wasser vorhanden, können sich dort Braunmoose, Moorfrosch und viele andere seltene Pflanzen- und Tierarten prächtig entwickeln, erfuhren die Kinder. Trocknet es aus, weil Niederschlag ausbleibt oder Moore zum Zwecke landwirtschaftlicher Nutzung entwässert werden, setzen im Torfkörper chemische Prozesse ein. Dabei wird Kohlendioxid freigesetzt, das zur Klimaerwärmung beiträgt. Respekt vor den Feuchtgebieten und Schutz derselben ist also angebracht, erfuhren die Mädchen und Jungen, von Stadtförster Hilmar Alexandrin. Angst, darin unterzugehen und vom Moor wie in Horrorfilmen verschluckt zu werden, müssten sie nicht haben, räumte Alexandrin mit einem Vorurteil auf. Und so ließ er die Sechstklässler selbst ausrechnen, wie alt wohl die Moorleichen seien, die immer mal wieder gefunden werden.

Ein Moor wachse dank des nicht vollständigen Abbaus von Pflanzenresten unter dem luftdichten Wasserdach im Jahr ein bis zwei Millimeter. Dann müssen in zwei Metern Tiefe gefundene Moorleichen schon 2000 Jahre alt sein – die Kinder staunten nicht schlecht. Jungen Baumknospen im Winter auf der Spur Lilly und Chantal finden solchen Unterricht viel besser, als in der Schule hinter den Büchern zu sitzen. „Hier kann man alles anfassen, ausprobieren und von den Förstern auch mal Hilfestellung bekommen“, erzählten sie. Ausruhen gibt es aber auch im Wald nicht. Landesförsterin Anja Daher schickte die Schüler auf die Suche nach jungen Baumknospen im Winter. Im Herbst hatten die Kinder bereits eine Blättersammlung angelegt. Nun sollten sie die schwarzen, braunen, grünen, runden, spitzen, nadeligen, geschuppten, samtig weichen oder klebrigen Knospen unterscheiden. Oft ragen die gerademal wenige Zentimeter an einem kleinen Stängel aus dem von braunen Blättern übersätem Boden. Zu bestimmen, was daraus einmal für ein Baum werden könnte, ist gar nicht so einfach. Da müssen manchmal sogar Erwachsene passen, stellte Niklas fest. Gern spannt der pfiffige Junge schon mal die ganze Familie ein, um fündig zu werden und möglichst viele Arten exakt zu bestimmen.